Achtung unseriöse Nahrungsergänzungsmittel
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Achtung unseriöse Nahrungsergänzungsmittel

Bei der Aufklärung zu sogenannten Schwindelpräparaten spielen Sie als PKA oder PTA eine wichtige Rolle. Beraten Sie Ihre Kundinnen und Kunden zu möglichen Warnsignalen.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) warnt vor einer steigenden Zahl an Nahrungsergänzungsmitteln, die als Alternativen zu verschreibungspflichtigen Medikamenten angepriesen werden. Apothekenteams stehen hier an vorderster Front, wenn es darum geht, die Kundschaft über diese sogenannten Schwindelpräparate aufzuklären.

Aktuelles Beispiel: vermeintliche Semaglutid-Alternativen

Ein aktuelles Beispiel sind Produkte, die als „natürliche Alternative“ zum verschreibungspflichtigen Wirkstoff Semaglutid beworben werden. Während die Wirksamkeit des auch als „Abnehmspritze“ bekannten Medikaments wissenschaftlich erwiesen ist, versprechen dubiose Anbieter ähnliche Effekte durch Pflaster mit Naturstoffen, die über die Haut aufgenommen werden. Belege fehlen jedoch.

Das sind mögliche Warnsignale, die auf Schwindelprodukte hindeuten:

  • Wenn rezeptfreie Präparate als „Alternative“ zu verschreibungspflichtigen Medikamenten angepriesen werden, ist grundsätzlich Vorsicht geboten.
  • Hohe Preise ohne Erstattung durch die Krankenkasse gelten ebenfalls als auffällig. Denn Schwindelpräparate sind oft überteuert und der Preis wird nicht erstattet, weil die Wirksamkeit nicht belegt ist.
  • Achtung bei Werbung gegen die „Schulmedizin“. Zum Teil versprechen die Anbieter, dass ihre Präparate besser sein sollen als wissenschaftlich geprüfte Medikamente. Bitten Sie Patienten und Patientinnen darum, die schulmedizinische Therapie nicht ohne ärztliche Rücksprache abzusetzen.
  • Unseriöse Hersteller stützen sich oft auf vermeintliche Erfahrungsberichte, statt auf die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Die Berichte sind womöglich erfunden. Nicht selten nutzen die Firmen sogar prominente Gesichter für ihre Werbeanzeigen. Hierfür verwenden sie vielfach gefälschte KI-generierte Fotos und Videoclips, in denen Prominente angeblich Werbung für das Produkt machen. Die Betroffenen wissen jedoch gar nichts davon.
  • Übertriebene Heilversprechen für verschiedene Krankheiten sind ebenfalls ein Warnsignal. Wenn ein Produkt gegen viele verschiedene Erkrankungen helfen soll, ist das verdächtig. 

Für mögliche Schwindelpräparate sensibilisieren

Sensibilisieren Sie Patientinnen und Patienten für mögliche Schwindelpräparate und ermutigen Sie dazu, Werbeversprechen kritisch zu hinterfragen. Weisen Sie darauf hin, dass sie sich bei Unsicherheiten immer an das Apothekenteam wenden können.

Achtung unseriöse Nahrungsergänzungsmittel
Die Autorin Dr. Christine von Reibnitz
Dr. Christine von Reibnitz, Referentin Gesundheitspolitik und Krankenkassenmanagement

Dr. von Reibnitz ist promovierte Gesundheitswissenschaftlerin und Hochschuldozentin im Bereich des Gesundheitsmanagement. Seit 2013 ist sie bei Dr. Ausbüttel zuständig für den Bereich Krankenkassenmanagement und Expertin für die Themen Abrechnung und Recht.